Aserbaidschan plant eine einzige Regulierungsbehörde zur Überwachung von Medien und digitalen Inhalten
- IHR
- 20. Juni
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Aserbaidschan plant, seine beiden wichtigsten Medienaufsichtsbehörden zu einer einzigen Regulierungsbehörde mit erweiterten Befugnissen zur Überwachung von Online-Plattformen und zur Bekämpfung von Desinformation zusammenzuführen.
Die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen, die vom Menschenrechtsausschuss des Parlaments diskutiert werden, werden die Medien- und Beamtengesetze des Landes ändern, um einen neuen Medien- und Rundfunkrat einzurichten.
Das neue Gremium wird die Rollen der Media Development Agency (MEDIA) und des Audiovisuellen Rates übernehmen und die Regulierungsaufsicht Aserbaidschans unter einem Dach konsolidieren.
Den Unterlagen des Ausschusses zufolge wird der neue Rat nicht nur die beiden bestehenden Gremien zusammenführen, sondern auch umfassendere Aufsichtsbefugnisse übernehmen.
Zu seinen Aufgaben gehören die Lizenzierung, die Verwaltung des staatlichen Medienregisters, die Organisation von Schulungsprogrammen und die Vergabe staatlicher Mittel an Medienorganisationen.
Der Rat wird auch mit der Bekämpfung von Desinformation und der Durchführung einer „Analyse digitaler Inhalte“ auf allen Social-Media-Plattformen beauftragt.
Die Leitung des Gremiums, einschließlich seines Vorsitzenden, wird direkt von der Exekutive ernannt.
Befürworter des Zusammenschlusses argumentieren, dass die rasante digitale Transformation die Grenzen zwischen traditionellen Print-, Fernseh- und Online-Medien verwischt habe.
Regierungsbeamte verweisen auf internationale Modelle konsolidierter Medienregulierung, wie Ofcom im Vereinigten Königreich und Arcom in Frankreich, als Vorlagen für das neue aserbaidschanische Gremium.
Befürworter sagen, ein „Single-Window“-Verwaltungssystem werde bürokratische Überschneidungen reduzieren, die Entscheidungsfindung beschleunigen und den Sicherheitsrahmen des Landes im digitalen Zeitalter modernisieren.
Unabhängige Journalisten und Medienanwälte haben jedoch Bedenken geäußert, dass der Schritt die staatliche Kontrolle über eine bereits stark regulierte Presse weiter zentralisieren wird.
Kritiker sind besonders besorgt über das neue Mandat des Rates, Social-Media-Plattformen zu überwachen und mutmaßliche Verstöße den Strafverfolgungsbehörden zu melden, und warnen davor, dass dies die staatliche Überwachung des digitalen öffentlichen Raums ausweiten könnte.
Der Medienrechtsexperte Khalid Aghaliyev hat zuvor das strenge Medienregister des Landes kritisiert, das von Journalisten verlangt, strenge Kriterien zu erfüllen – etwa einen Hochschulabschluss und drei Jahre Berufserfahrung –, um offiziell anerkannt zu werden.
Aghaliyev und andere Rechtsanalysten warnen davor, dass die Unterstellung dieser bestehenden, umstrittenen Instrumente an eine mächtigere, einheitliche Regulierungsbehörde das Risiko birgt, den neuen Rat zu einem zentralisierten Instrument der Zensur zu machen.
Die vorgeschlagenen Reformen erfolgen vor dem Hintergrund einer laufenden internationalen Beobachtung der Medienlandschaft Aserbaidschans.
Eine Rechtsanalyse der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte zuvor davor gewarnt, dass die aktuellen Mediengesetze des Landes die Meinungsfreiheit stark einschränken.
Der Europarat hat außerdem wiederholt betont, dass die nationalen Rundfunkaufsichtsbehörden strukturell und funktional unabhängig von der Regierung bleiben müssen, um ein pluralistisches Medienumfeld zu gewährleisten.
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